Geschichte des Kühlschranks

Dass die Bedeutung von Kälte für die Haltbarkeit von Lebensmitteln schon vor Jahrtausenden bekannt war, belegen die Kühl- oder Eiskeller der Antike. Dafür hat man mühselig riesige Mengen Eis aus den hohen Berglagen herangeschafft. Unter Tage konnte das Eis lange Zeit für die notwendige Kühle sorgen.
Allerdings stand diese Art der Haltbarmachung, die noch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts verwendet wurde, nur der wohlhabenden Bevölkerung zur Verfügung. Man findet noch heute einige restaurierte Eiskeller in der Nähe von Burgen und Schlössern. Erst als zu Beginn des 18. Jahrhunderts andere Techniken eingesetzt wurden, öffneten sich die Eiskeller, die zusehends zum Relikt aus der Vergangenheit wurden, den gewöhnlichen Haushalten. Ein entscheidender Motor für den Siegeszug des elektrischen Kühlschranks war die Industrialisierung. Mit ihr waren in immer mehr Familien beide Elternteile ganztags aus dem Haus. Es blieb weniger Zeit für die Zubereitung von Nahrung. Was also zur Einführung des Frischebehälters beitrug, war die Reduzierung frischer Nahrung, die direkt von der Herstellung (Ernte, Schlachtung) auf den Tisch kam. Allerdings wirkte es sich auch auf die Entwicklung aus, dass mit dem elektrischen oder gasbetriebenen Kühlschrank die Herstellung von außergewöhnlichen Speisen auch in privaten Haushalten möglich war, während dies früher den elitären Kreisen mit Küchenpersonal vorbehalten blieb.
Eine andere Alternative zum Kühlgerät waren bis etwa 1950 sogenannte Eisschränke aus Holz. Dabei wurde Eis aus der Fabrik genutzt. Diese Eisschränke gab es in kleineren Ausführungen auch für Privathaushalte (ungefähre Ausmaße zum Beispiel halben mal halben Meter Grundfläche bei einem Meter Höhe), während größere Varianten in Gasthäusern und Restaurants üblich waren.
Die Kühltechnik, wie wir sie heute kennen, nahm ihren Ursprung mit der ersten künstlichen Kühlung, die der Brite William Cullen Mitte des 18. Jahrhunderts an der Universität Glasgow vorführte. Der Einsatz von Chemie begann mit Alexander Twinning, der entsprechende Geräte bereits in den 1830er Jahren vermarktete. Hier wurde schon eine wichtige Technik genutzt: Die Luftkompression. Ferdinand Carré trieb 30 Jahre später die Entwicklung durch den Einsatz von Ammoniak voran. Die Entwicklung beschleunigte sich. 1876 entwickelte der deutsche Wissenschaftler und Ingenieur Carl von Linde das nach ihm benannte Verfahren zur künstlichen Herstellung von Eis.
Jedoch verwendete auch von Linde Ammoniak, dessen ätzende und übelriechende Wirkung die Kühlschränke für die Verwendung in Haushalten unbrauchbar machte. Ammoniak und auch Methylchlorid und Schwefeldioxid beschädigten die beweglichen Teile der Kühlaggregate. Ersatzchemikalien wurden dann in den 1920er Jahren entwickelt. Den Durchbruch brachte hier als Kühlflüssigkeit Fluor-Chlor-Kohlen-Wasserstoff (FCKW), dessen Bedeutung für das Ozonloch damals noch nicht bekannt war. Bereits 1937 hatte jeder zweite amerikanische Privathaushalt einen Kühlschrank. Damit wurde das Bild des legendären amerikanischen Kühlschranks entworfen, der heute wieder eine Renaissance erfährt.



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